Genipa americana

„magische Indianertinte“ aus den Amazonaswäldern

Jaguagel ist ein blau-schwarz färbendes Hautgel, dass aus dem Saft der Frucht Genipa americana gewonnen wird. Genipa oder auch Huito, Jenipapo, Xenipa, Jagua etc. genannt, wächst in den Amazonaswäldern Südamerikas. Der Saft dieser exotischen Frucht wird von den indigenen Völkern und Kulturen Perus, Ecuadors, Columbiens usw. bereits seit Jahrhunderten für die Bemalung der Haut verwendet. Genipa americana ist eine essbare und gesunde Frucht aus deren riesigen Beeren Marmeladen und Süßspeisen hergestellt werden. Jagua wird aufgrund seiner antibakteriellen, antifungiziden und antiseptischen Wirkung auch in Medikamenten verwendet. Menschen Lateinamerikas wissen schon seit jeher um die heilende und mystisch Färbende Wirkung der Pflanze, daher ranken sich viele Mythen und Sagen um Genipa americana. 1648 wurde Genipa das erste mal in Berichten Europäischer Forscher erwähnt, jedoch wurde ihr keine weitere Beachtung geschenkt. Damals wurde das Bemalen des Körpers als ‚sinnloser Müßiggang‘ bezeichnet und nicht als eine Kunstform die für die Europäer_innen irgendwie attraktiv gewesen wäre.

Ähnlich wie Henna in Südostasien und Nordafrika verwendet wird, so hat Jagua eine lange Tradition und große Bedeutung für die Menschen der Amazonasgebiete, wo die Pflanze heimisch ist. Für Feste, Zeremonien, Rituale usw. ist eine Bemalung mit Jagua so gebräuchlich wie Henna auf einer indischen Hochzeit.

Jagua wird meist in Form eines Gels vertrieben, welches mit Xanthan, einem natürlichen Bindemittel und Zitronensäure und Ölen versetzt ist zur Haltbarkeit. Da der Saft der Genipapflanze sonst nicht so leicht auf der Haut haften bleiben würde. Wegbereiter und ‚Erfinder‘ dieser Art der Gelherstellung und überhaupt das Bekanntmachen dieser ‚magischen Indianertinte‘, wie Michael Schwerdtfeger Jagua in seinem Buch bezeichnet, verdanken wir Carine Fabius und ihrem Gatten. Beide sind begnadete Hennakünstler_innen und sind auf der Suche nach einen natürlichen blau-schwarzen Pendant zur rot-braunen Hennafarbe auf Jagua gestoßen.

by Johann Wilhelm Weinmann / Wikipedia

Da für sie beide die synthetischen PPD haltigen Farben keine Option zur Körperbemalung waren, machten sie sich mit der Genipa Frucht und ihren Charakteristika vertraut und brachten ein Gel auf den Markt, das natürlich und hautverträglich ist und Temporäre Tattoos entstehen lässt, die für Laien von echten kaum zu unterscheiden sind.

Der färbende Stoff von Jagua wird Genipin genannt, welcher mit den Eiweißmolekülen der ersten Hautschicht (Stratum Corneum = Hornschicht) der Epidermis (Oberhaut) eine Verbindung eingeht und diese Dauerhaft blau schwarz färbt. Da an Händen und Füßen diese Hornschicht viel dicker ist als etwa an Bauch, Rücken oder Armen werden die Jaguatattoos dort viel dunkler als an dünnen Stellen. Die Jaguatattoos verblassen bzw. wachsen nach 1-3 Wochen heraus, da sich die Hornschicht in diesem Zeitraum erneuert und die gefärbte Hautschicht abgetragen wird und durch neue Hautzellen, die von innen an die Oberfläche kommen, ersetzt werden. Generell können die Farbergebnisse eines Jaguatattoos für Kund_innen nie gänzlich vorausgesehen werden, da die Ergebnisse durch unterschiedliche Faktoren beeinflusst werden und jede Haut, wie der Mensch der in ihr steckt, unterschiedlich ist. Es lässt sich jedoch beobachten, dass die besten dunkelblau-schwarzen Farbergebnisse an Händen und Füßen, sowie durch die Einwirkung von Wärme erzielt werden. Wie bei Henna entwickelt sich die Farbe des Jaguatattoos ebenso erst nach dem Abwaschen binnen 24-48 Stunden. Unmittelbar nach dem Abwaschen ist kaum was vom Tattoo zu sehen, jedoch kann man beobachten wie Stunde um Stunde das Tattoo an Intensität gewinnt.