Mehndi

Indische Kultur und Tradition auf deiner Haut

Das Malen mit Henna auf der Haut wird in Indien auch als Mehndi, Mehendi, Mendika etc. bezeichnet. In vielen Ländern und Kulturen, wie Indien, Nepal, Pakistan und Marokko ist diese Art der Kunst seit Jahrhunderten und Jahrtausenden ein fester Bestandteil des traditionellen und zeremoniellen Lebens. Das Bemalen der Haut ist ein wichtiges Ritual vor allem bei Hochzeiten, Übergängen von Lebensabschnitten und Festen. Vor allem Frauen bemalen sich oder lassen sich bemalen mit filigranen Formen, Mustern und Symbolen, welche Glück, Gesundheit, Schutz, Liebe und Reichtum bringen sollen oder um sich vor dem `Bösen Blick`, dem Unglück und negativen Energien zu schützen. Mehndi wird nicht nur als Bemalung gesehen, sondern als Ritual, wo Frauen oder auch Männer zusammenkommen und sich gemeinsam eine Auszeit nehmen und sich der Kunst hingeben und gemeinsam etwas gestalten.

Die Hennapaste, welche auf die Haut aufgetragen wird besteht zu einem Großteil aus einem Pulver der zerriebenen Blätter der Hennapflanze (Lawsonia Inermis). Dieser Pflanze wird eine magische und heilbringende Wirkung nachgesagt und wird in vielen Ländern auch als natürliche Medizin eingesetzt, etwa aufgrund ihrer kühlenden Wirkung auf Brandwunden aufgetragen oder wegen ihrer antibaketiellen Wirkung auf kleinere Wunden. Henna hat auch eine pflegende Wirkung für Haut und Haare, wodurch sie sich auch zum Bemalen von Haut und dem Färben von Haaren durchgesetzt hat. Der Färbende Wirkstoff der Hennapflanze ist das ist das Lawson (2Hydroxy 1,4 Naptochinon), welches nach dem Auftragen auf die Haut durch Oxidation mit Sauerstoff die Haut anfänglich orange färbt und sich dann in einen natürlichen rot-braun Ton verändert. Durch den natürlichen Erneuerungsprozess der Haut bzw. der Hornschicht der ersten Hautschicht ‚wächst‘ das Henna quasi nach ca 2-3 Wochen heraus.

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Anwendung

Damit mit Henna auf der Haut gemalt werden kann, muss das Pulver der Hennapflanze mit unterschiedlichen Zutaten zu einer homogenen Masse / Paste verarbeitet werden. Die Rezepte der Pasten variieren je nach Hennakünstler_innen, persönlichen Erfahrungen und Ländern. Die Hauptbestandteile sind aber meist Zitronensaft, Zucker und Ätherische Öle (Eukalyptus, Cajeput, Lavendel etc.). Schwarzer Tee, Kaffee, Zimtstangen, Pfefferkörner, Teebaumöl, etc. werden ebenso in manchen Rezepten verwendet.

Nach dem die Hennapaste angerührt wurde kann sie nicht gleich verwendet werden, sondern soll bis zu 72 Stunden unter regelmäßigem umrühren an einem warmen Ort gelagert werden. Danach hat die Paste ihre beste Farbkraft erreicht und kann in Spritztüten sog. Hennacones oder Plastikapplikatoren gefüllt werden und man kann mit dem Malen beginnen.

Nach dem das Tattoo auf die Haut aufgemalt wurde und angetrocknet ist, ist es wichtig diese noch mit einer dickflüssigen Tinktur aus Zitronensaft und Zucker zu betupfen, damit diese besser haften bleibt und nicht vorzeitig abbröckelt, außerdem bleibt dadurch die Farbe länger feucht und die Paste kann somit länger ihre Farbe an die Haut abgeben um ein besseres und intensiveres Farbergebnis zu erzielen.

Die Paste sollte möglichst lange auf der Haut bleiben, am besten bis zu 12 Stunden. Das Tattoo sollte daher am besten am Abend gemalt werden und dann mit einem Wickel aus Watte und einer Mullbinde fixiert werden, damit die Farbe schön an Ort und Stelle bleibt. Nach der Einwirkzeit kann im besten Fall die getrocknete Masse, welche sich mit der Watte verbunden hat in einem abgezogen werden. Die Rückstände können dann mit einem Löffel oder Messerrücken abgekratzt werden. Die letzten Farbreste werden am besten mit einem in Öl getränkten Wattebausch abgerieben. Auf jeden Fall ist der Kontakt mit Wasser für 24 Stunden zu vermeiden um den Oxidationsvorgang nicht zu stören und damit das Mehndi sich schön entwickeln kann und lange ein schönes Farbergebnis zeigt.

Nach dem Entfernen der Hennapaste erscheint die bemalte Stelle in einem Orangeton, welcher sich im Laufe der nächsten 24 bis 72 Stunden noch in ein intensives Rot oder Braun ändern kann. Das Farbergebnis ist oft nicht Vorauszusagen, da jeder Mensch sowie seine Haut einzigartig sind und sich dadurch auch unterschiedliche Ergebnisse im Kontakt mit Henna zeigen. Sicher kann jedoch gesagt werden, dass das Bemalen von Händen und Füßen die intensivsten Ergebnisse hervorbringt, da diese Stellen die wärmsten des Körpers sind und an diesen Stellen die Haut am dicksten ist.

Leider ist der Hennawirkstoff Lawson nicht in der Europäischen Kosmetikverordnung gelistet, daher werden alle Temporären Tattoos von Mehenna mit Jaguagel gemalt, da dieses den Richtlinien der EU-Kosmetikverordnung entspricht! Tatsächlich also gibt es bei mir NUR Jaguatattoos und KEINE Hennatattoos, wobei die Jaguatattoos durch die inidsche Hennakunst, deren Mustern und Formen inspiriert sind. Sollte sich die Rechtslage ändern, biete ich gerne auch Bemalung mit Henna an, aber bis dahin male ich nur mit Jaguagel.

Schwarzes Henna / Fast Henna / Magic Henna / Weißes Henna / buntes Henna

Das zermalene Pulver der Hennapflanze hinterlässt immer einen orange oder rot-braunen Farbton auf der Haut, die Paste muss jedoch lange auf der Haut einwirken und färbt nicht sofort.

Schwarzes Henna gibt es also defakto nicht!! Dabei handelt es sich um eine synthetische Farbe, der meist das Haarfärbemittel PPD (p-phenylendiamine) beigesetzt ist oder fast gänzlich aus dieser besteht. Diese Chemikalie ist verantwortlich für die schrecklichen Fotos die im Internet kursieren und den schlechten Ruf von Hennabemalungen. Durch diese Farben kommt es immer wieder zu Hautirritationen, allergischen Reaktionen und Verätzungen die schrecklichen Narben auf der Haut zurücklassen. PPD gilt außerdem als verantwortlich für Blasenkrebs. Der Wirkstoff wird über die Haut aufgenommen und lagert sich in den Organen wie Blase, Leber oder Niere an. Auch wenn es zu keiner unmittelbaren Reaktion kommt, kann es sein, dass der Körper einen bleibenden Schaden davon trägt und wenn man den Körper häufig dieser Farbe aussetzt kann dies für die Gesundheit gravierende Nachteile haben.

Alle Farben die unmittelbar die Haut färben oder eine andere Farbe als den natürlichen orange oder rot-braun Ton der Hennapflanze hinterlassen sind nicht Hennafarben sondern chemische Farben die nichts mit Henna zu tun haben.

Obwohl die fertigen Tuben von Golecha & Co die Hinweise tragen ‚clinically tested‘ oder ‚does not contain PPD‘ sagt das noch nichts über das Testresultat aus und die Tatsache, dass diese die Haut unmittelbar färben verweist eindeutig auf deren chemische Zusammensetzung.